Ausbildungspaten
Im Tandem zum Beruf
Nicht immer können Eltern ihren Kindern in allen Dingen rund um die Berufswahl helfen. Und nicht immer wollen Kinder in der Phase der Berufswahl den guten Rat ihrer Eltern annehmen. Dann ist eine Person gefragt, die mehr Abstand zu dem Kind hat, aber nicht seine Lehrkraft ist, die über ein gewisses Maß an Berufserfahrung verfügt und sich in regelmäßigen Abständen mit dem Jugendlichen treffen kann: Ausbildungspaten oder Mentoren können hier helfen.
Es gibt Städtepatenschaften, Taufpaten oder Patenschaften für Kinder aus Entwicklungsländern. All diesen Formen ist gemein, dass der Pate gegenüber seinem "Schützling" eine Fürsorgepflicht übernimmt. Gleiches gilt auch für die in den letzten Jahren zunehmend aufkommenden örtlichen Patenschaften, Bildungs- und Aktivpatenschaften oder auch Mentoring-Programme. Diese unterstützen die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung und in den Beruf.
Projekt "Neue Wege in den Beruf"

- Ein erfolgreiches Tandem: Mentorin Karin Peters mit ihrer Mentee Selcan
So wurde auch Karin Peters für die 17-jährige Selcan eine ganz besondere Vertrauensperson: "Sie ist nicht nur meine Mentorin gewesen, sondern dadurch auch eine gute Freundin geworden." Dieses Resümee zieht Selcan, nachdem sich die beiden Frauen neun Monate lang mindestens einmal monatlich getroffen haben. Sie haben im Schuljahr 2007/08 an dem Projekt "Neue Wege in den Beruf - Mentoring für junge Frauen mit Zuwanderungsgeschichte" teilgenommen, das vom Zentrum Frau in Beruf und Technik in Castrop-Rauxel organisiert wurde.
Karin Peters wurde direkt von der Projektleiterin Dr. Claudia Windfuhr gefragt, ob sie als erfahrene Geschäftsfrau im Handwerk nicht Interesse hätte, ihr Wissen als Mentorin weiterzugeben. Das fand sie eine tolle Sache und war dabei. Selcan hat sich gleich bei dem Projekt angemeldet, nachdem sie - wie viele ihrer Mitschülerinnen auch - von ihrer Lehrerin angesprochen worden war. Da sie etwas im kaufmännischen Bereich machen wollte, wurde ihr Karin Peters als Mentorin zugeordnet. Bei ihr im Büro in der Firma für Elektroinstallation konnte Selcan auch für zwei Wochen ein Praktikum machen und hat damit ihren Berufswunsch gefestigt.
Zuhören und Mut machen
Ausbildungspaten bzw. Mentoren sind in erster Linie Zuhörer und Ansprechpartner in der Zeit der Berufswahl. Sie können auf Grundlage ihrer eigenen Berufs- und Lebenserfahrung Tipps und Ratschläge geben, den Jugendlichen helfen, die eigenen Stärken und Interessen zu erkennen und auszubauen. Mentoren können ganz praktisch beim Erstellen der Bewerbungsunterlagen helfen, beim Kleiderkauf für das Vorstellungsgespräch ihren Mentees beratend zur Seite stehen oder die Jugendlichen zum Beratungsgespräch bei der Agentur für Arbeit begleiten. Mit dem Jugendlichen freuen sie sich gemeinsam über Erfolge, z.B. die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Und sie sind auch da, wenn es Kummer gibt, z.B. bei Absagen: "Jetzt lass mal den Kopf nicht hängen. Irgendwo wird sich schon was ergeben", hat Karin Peters dann zu Selcan gesagt. Manchmal machen sie auch Dinge, die gar nichts mit der Berufswahl zu tun haben und verbringen einfach eine schöne Zeit miteinander, z.B. beim Eisessen oder Fußballgucken.
Ausbildungspaten sind allerdings weder ausschließlich Nachhilfelehrer noch können oder wollen sie eine professionelle Berufsberatung ersetzen.
Probleme?
Wenn es zwischen den Tandems mal nicht so gut läuft, gibt es bei den meisten Patenschaftsprojekten für beide Seiten die Möglichkeit, sich an die Organisatoren zu wenden oder sich mit anderen Paten auszutauschen.
Bei Karin Peters und Selcan ist es sehr gut gelaufen. Sie haben immer noch Kontakt und halten sich gegenseitig auf dem Laufenden. Selcan hat jetzt eine schulische Ausbildung zur kaufmännischen Assistentin angefangen.
Wo gibt es Patenschaften?
Ausbildungspatenschaften gibt es mittlerweile in mehreren Städten im gesamten Bundesgebiet. Verschiedene lokale Initiativen engagieren sich in diesem Bereich und stellen Vermittlungsbüros für diese Patenschaften. Hier werden die ehrenamtlichen Paten und Patinnen gefunden und mit dem "Patenkind" zusammengeführt.
Organisiert werden die Projekte von den Wohlfahrtsorganisationen wie der Caritas, der Diakonie oder der AWO sowie von Freiwilligenagenturen und Seniorenbüros. Auch reine Privatinitiativen oder die Gemeindeverwaltung können diese Projekte durchführen.
Häufig werden diese Projekte in der Tageszeitung bekannt gegeben. Fragen Sie auch die Lehrkraft Ihres Kindes, ob sie ein solches Angebot in der Nähe kennt.














