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Veröffentlicht am
28.09.2011
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Geschlecht und Berufswahl

"Mit der Plakatierung aufhören"

Angelika Puhlmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), erklärt, warum Mädchen immer noch so gerne medizinische Fachangestellte werden, Jungen dagegen Kfz-Mechatroniker - und wie Eltern gegen diese Klischees ankommen.

Ein Mann erklärt einer Jugendlichen Holzbearbeitungswerkzeuge.
Bei der Berufswahl dienen Eltern als Vorbilder.

planet-beruf.de: Frau Puhlmann, was sagen Sie zur Unterscheidung Frauenberuf - Männerberuf?

Angelika Puhlmann: Man müsste mit dieser Plakatierung aufhören. Das ist eines der größten Probleme, die wir im Zusammenhang mit der Bewertung der Berufswahl junger Frauen und Männer haben, dass man für junge Frauen und Männer Schilder aufstellt, die sagen: "Geh' nicht dahin, das sind Männer- oder Frauenberufe."

planet-beruf.de: Was hat sich in den letzten Jahren bei der Berufswahl von Jungen und Mädchen geändert?

Angelika Puhlmann: Wenn wir die meistgewählten Berufe anschauen, stellen wir immer noch eine klare Trennung auf dem Ausbildungsstellenmarkt fest: Die Jungen sind weniger bei den Kaufleuten und bei Berufen mit personenbezogenen Dienstleistungen wie etwa den medizinischen Fachangestellten zu finden, die Mädchen seltener in den gewerblich-technischen und handwerklichen Berufen. Das ist leider in der Tendenz unverändert so.

planet-beruf.de: Woran kann das liegen?

Angelika Puhlmann: An erster Stelle steht wohl die bereits genannte Aufteilung des Ausbildungsstellen- bzw. Arbeitsmarktes. Daran orientieren sich die jungen Leute und deren Eltern. Sie gehen davon aus, dass dort, wo die meisten Frauen bzw. Männer beschäftigt sind, auch die Tochter bzw. der Sohn wahrscheinlich die größten Beschäftigungschancen hat. Natürlich spielt auch die Haltung der Betriebe eine Rolle. Wenn ich in einem Bereich seit Jahrzehnten traditionell nur Jungs einstelle, dann muss ich eine bewusste Entscheidung für die Einstellung von Mädchen treffen. Außerdem muss ich überlegen, was ich als Arbeitgeber machen kann, damit ich als Ausbildungsbetrieb für junge Frauen interessant bin.

Porträt von Angelika Puhlmann
Privat
Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung.

planet-beruf.de: Nach welchen Kriterien wählen Jungen und Mädchen ihre Ausbildung aus? Gibt es Unterschiede?

Angelika Puhlmann: Wir haben in unserem Forschungsprojekt zur "Berufsorientierung junger Frauen im Wandel" gesehen, dass es eine Annäherung bei den meisten Kriterien gibt. Es ist Jungs und Mädchen gleich wichtig, dass sie Spaß am Beruf haben. Die Eignung für den Beruf ist ebenfalls etwa gleich wichtig. Überhaupt einen Ausbildungsberuf zu bekommen, ist den Mädchen etwas wichtiger, steht aber auch bei den Jungs an dritter Stelle. Interessanterweise ist der Faktor "anderen Menschen helfen", der früher bei den Mädchen stärker hervorgehoben war, jetzt bei Jungs und Mädchen gleich, was ich für eine sehr gute Entwicklung halte. Interessant war auch, dass die Höhe der Ausbildungsvergütung bei beiden relativ am Ende steht.

planet-beruf.de: Welche Chancen haben Erziehungsberechtigte, auf eine Berufswahl ohne Rollenklischees hinzuarbeiten?

Angelika Puhlmann: Eltern sind für Jungen wie Mädchen die wichtigsten Personen in der Berufsorientierung. Sie stehen den Jugendlichen mit ihren Ratschlägen zur Seite und sind mit ihrer eigenen Berufstätigkeit bereits Vorbild. Eltern könnten daher den Schulen anbieten, etwas über den eigenen Beruf zu erzählen. Das lebende Beispiel ist ja interessanter, als wenn man nur einen Bericht liest. Vielleicht können sie auch Betriebsbesichtigungen von Klassen bei der eigenen Arbeitsstelle vermitteln.

Eltern sollten sich möglichst auch selber stärker über die Realität in den unterschiedlichen Berufen informieren - welche Ausbildungsbetriebe gibt es? Wie viele Ausbildungsstellen? Wie ist die Verteilung von Jungen und Mädchen? Dabei finden sie vielleicht weitere Vorbilder für ihre Kinder, es gibt schließlich auch Männer in frauendominierten Berufen und umgekehrt. Wenn sich die Tochter für Autos interessiert, kann man sich z.B. auch bei einem Tag der offenen Tür in unterschiedlichen Werkstätten umsehen.

planet-beruf.de: Wo können sich Eltern noch informieren?

Angelika Puhlmann: Eltern können sich im Berufs-Informations-Zentrum und bei der Berufsberatung ihrer örtlichen Agentur für Arbeit informieren. Und es gibt beispielsweise Berufsorientierungsmessen, wo Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern hingehen können, und die verschiedenen Angebote der Kammern.

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Stand: 01.02.2012
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