Inklusiven Berufswahlunterricht gestalten
Angemessen fordern und fördern
Die Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden verwirklicht Inklusion vorbildlich. Dort werden Förder-, Haupt-, Real- und Gymnasialschüler/innen bis Klasse 10 gemeinsam unterrichtet. Was das für den (Berufswahl-)Unterricht bedeutet, erklärt Förderschullehrerin Renate Bastian.

- Durch Gruppenarbeit werden leistungsstarke und -schwache Schüler gefördert.
planet-beruf.de: Wie viele Schüler/innen mit Förderbedarf haben Sie in Ihren Klassen?
Renate Bastian: In meinen neunten Klassen sind neun Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf mit Schwerpunkt Lernen bzw. emotionale und soziale Entwicklung. Insgesamt integriert die Sekundarstufe I, auf die 950 Schüler/innen gehen, 70 Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Hinsichtlich der Zahl und Dauer der Integration - wir machen das seit 1996 - ist unsere Schule in Niedersachsen einmalig.
planet-beruf.de: Welche Anforderungen stellt die Inklusion, die Einbindung der Förderschüler/innen, an den Unterricht?
Renate Bastian: Wir arbeiten mit Methoden und Arbeitsplänen, die selbständiges und individualisiertes Arbeiten fördern und initiieren Gruppen- und Partnerarbeit zu konkreten Problemstellungen. Dabei mischen wir die Gruppen, so dass leistungsstärkere Schüler solche mit Defiziten unterstützen können. Außerdem integrieren wir viele praktische Anteile in den Unterricht. Darüber hinaus bieten wir außerunterrichtliche Veranstaltungen, z.B. im Bereich des sozialen Lernens, die den Gruppenzusammenhalt stärken. So können die, die in manchen Schulfächern eher unterdurchschnittlich sind, ihre Stärken in anderen Bereichen entdecken und zeigen.
Bei der Aufgabenstellung achten wir darauf, so zu differenzieren, dass keiner über- und keiner unterfordert ist. Die Schüler/innen setzen sich mit den gleichen Inhalten auseinander, haben aber die Möglichkeit, diese auf verschiedene Niveaus zu bearbeiten.

-
PrivatFörderlehrerin Renate Bastian
planet-beruf.de: Wie wirkt sich die Inklusion auf den Berufswahlunterricht aus?
Renate Bastian: Eigentlich ist es ja gar nichts Besonderes, Schüler/innen mit Behinderungen auf das Berufsleben vorzubereiten. Wir behandeln sie dabei wie alle anderen Jugendlichen auch. Wir fragen nach ihren Stärken und Schwächen, wir bringen sie mit Leuten aus der Berufsberatung, Berufseinstiegsbegleitern und mit Arbeitgebern zusammen, die ihnen weiterhelfen können, und wir unterstützen sie dabei, immer selbständiger ihr eigenes Leben nach der Schule und ihre berufliche Zukunft zu planen.
planet-beruf.de: Wie sieht die Berufsorientierung an Ihrer Schule konkret aus?
Renate Bastian: Eigentlich wie an jeder anderen Schule - nur eben mit der angesprochenen Methodik und Differenzierung. Wir ermitteln z.B. die Stärken, indem für jede/n Schüler/in auf ein Plakat geschrieben wird, was sie/er gut kann - von ihr/ihm selbst und von ihren/seinen Mitschüler/innen. Lehrkräfte und Schüler/innen der 8. Klasse arbeiten alljährlich eine Woche lang in einer Schülerfirma. Die Schüler/innen müssen sich für die Berufe in unserer Albatros-AG schriftlich bewerben. Alle Schüler/innen machen zwei Praktika und werden dabei intensiv begleitet. Die Neuntklässler/innen erleben außerdem ein halbes Jahr lang für drei Stunden pro Woche die Fachpraxis an Berufsschulen.














