Rechenschwäche
Wenn Üben nicht hilft
Gezielte Förderung bei Dyskalkulie (Rechenschwäche)
Je früher Rechenschwäche bei Kindern erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Auch der Einstieg in die Berufsausbildung kann dadurch gut vorbereitet werden. Denn Rechenschwäche hat nichts zu tun mit mangelnder Intelligenz oder Begabung.
Ihr Kind löst selbst einfachste Plus- oder Minus-Aufgaben schriftlich. Mühsam eingeübte Matheregeln vergisst es bereits nach kurzer Zeit. Es verwechselt die Rechenarten und kann sich Mengen-, Größen- oder Gewichtsangaben nicht vorstellen. Dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Möglicherweise liegt bei Ihrem Kind die Teilleistungsstörung Dyskalkulie vor.

- Dyskalkulie - wenn schon Grundrechenarten zum Problem werden
Berufsausbildung mit Rechenschwäche?
Es gibt keinen Beruf, in dem man nicht rechnen muss. Die Beherrschung der Grundrechenarten ist eine Mindestvoraussetzung, um einen Ausbildungsplatz zu finden. Doch wer von Dyskalkulie betroffen ist, hat damit ein Problem. Mut macht hier Hans-Joachim Lukow, Leiter des Zentrums für angewandte Lernforschung in Osnabrück: "Es ist nie zu spät, eine Lerntherapie zu beginnen. Wer wirklich will und bereit ist, mit alten Gewohnheiten zu brechen, dem sind die Grundrechenfähigkeiten zu vermitteln."
Gibt es Fördermöglichkeiten?
Da Lerntherapien kostspielig sind, rät Hans-Joachim Lukow den Eltern, Fördermöglichkeiten für ihre Kinder zu prüfen. Von Seiten der Agentur für Arbeit gibt es Möglichkeiten im Rahmen der ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) oder der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE). Dyskalkulie als Diagnose allein reicht jedoch nicht aus. Nachgewiesen muss sein, dass aufgrund der Dyskalkulie der erfolgreiche Abschluss der Berufschule gefährdet ist. Dann kann man einen Antrag auf abH bei der Agentur für Arbeit stellen. Mit einer BaE können Jugendliche mit Dyskalkulie gefördert werden, wenn sie außerdem noch sozial benachteiligt oder körperbehindert sind.
Wünschenswert: sozialpädagogische Betreuung
Die psychische Belastung, die Jugendliche mit Rechenschwäche haben, ist nicht zu unterschätzen. Versagensängste gehören zu ihrem Alltag und haben oft Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität bzw. Depression oder körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und Übelkeit zur Folge. Darunter kann auch das Sozialverhalten im Ausbildungsbetrieb leiden oder die Kommunikation mit dem Ausbilder. Neben der Lerntherapie hält Hans-Joachim Lukow deshalb auch eine sozialpädagogische Betreuung der Jugendlichen während der Ausbildung für notwendig.
Wie können Eltern helfen?
Dr. Michael Wehrmann, wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Mathematisches Lernen in Braunschweig, rät den Eltern, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen: ihrem Kind, dem/der Berufschullehrer/in, dem Kostenträger und dem Therapeuten/der Therapeutin. Wenn alle an einem Strang ziehen, ist das die beste Rückenstärkung für die betroffenen Jugendlichen. Denn für die ca. dreijährige Lerntherapie brauchen sie viel Ausdauer.
Richtig abmessen trotz Rechenschwäche
Vanessa Jamitzky lernt den Beruf Modenäherin. Ihre Rechenschwäche macht ihr vor allem zu schaffen, wenn sie Stoffe maßgerecht zuschneiden muss. "Aber wir helfen alle zusammen und finden die Lösung. Auch unsere Betreuerinnen unterstützen uns dabei." Ins Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin, in dem Vanessa ihre Ausbildung macht, wurde sie vom JobCenter der Agentur für Arbeit vermittelt. Noch ist sie in der Probezeit. "Aber es sieht gut aus, ich strenge mich an, dass ich das alles hinkriege."
Tipp: Symptomfragebögen
Für eine erste Einschätzung, ob Ihr Kind von Rechenschwäche betroffen ist, haben Experten so genannte Symptomfragebögen entwickelt. Die genaue Diagnose sollten Sie aber Fachleuten überlassen, etwa Ärzten und Ärztinnen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und -therapeutinnen oder ausgebildeten Dyskalkuliediagnostikern und -diagnostikerinnen. Nur sie können mithilfe spezieller Verfahren feststellen, ob es sich bei Ihrem Kind wirklich um Dyskalkulie handelt oder nicht. Mit dem Ergebnis können sie dann auch einen genau auf Ihr Kind zugeschnittenen Förderplan erstellen.
Nähere Informationen:
Zentrums zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR)
Mathematisches Institut zur Behandlung von Rechenschwäche (München)
Therapieeinrichtungen in Ihrer Nähe (Liste des Insituts für Mathematisches Lernen in Braunschweig)




