Türkische Unternehmer/innen bilden aus I
"Bei der Geburt muss man die gleiche Sprache sprechen"
Im Gesundheitswesen sind Auszubildende mit Fremdsprachenkenntnissen gefragt, weiß Dr. Neslişah Terzioğlu aus Nürnberg. Mit planet-beruf.de spricht die Frauenärztin darüber, wie wichtig Kommunikation gerade in der Geburtshilfe ist und welche Berufschancen Jugendliche mit Migrationshintergrund hier haben.

- Frauenärztin Dr. Neslişah Terzioğlu
planet-beruf.de: Frau Terzioğlu, Sie setzen sich dafür ein, dass man im Gesundheitswesen noch besser auf die Belange der Schwangeren nicht-deutscher Herkunft eingeht. Gemeinsam mit anderen Medizinern haben Sie das Buch "Türkisch, Russisch, Fachenglisch für Hebammen und Geburtshelfer" verfasst. Weshalb ist Ihnen das wichtig?
Neslişah Terzioğlu: Viele Frauen mit Migrationshintergrund sprechen leider nicht gut deutsch. Doch gerade bei der Geburt sollten Mediziner unbedingt mit der Patientin kommunizieren können. Sprechen sie nicht die gleiche Sprache, können sie der Frau keinen Mut zusprechen und sie anfeuern. Die Schwangeren geben dann oft auf und die Ärzte müssen einen Kaiserschnitt durchführen. Um das zu verhindern und die Patientin bei Komplikationen aufzuklären, ist es wichtig, dass Geburtshelfer/innen wenigstens ein paar Wörter der Fremdsprache beherrschen.
planet-beruf.de: Fremdsprachenkenntnisse sind also in der Geburtshilfe von Vorteil.
Neslişah Terzioğlu: Ja, im Gesundheitswesen gibt es sogar einen großen Bedarf an türkischstämmigen Auszubildenden in den Berufen Hebamme bzw. Entbindungspfleger und medizinische/r Fachangestellte/r.
planet-beruf.de: Sie selbst möchten medizinische Fachangestellte ausbilden. Was erwarten Sie von Jugendlichen, die sich bei Ihnen bewerben?
Neslişah Terzioğlu: Ich bin in der Region die einzige niedergelassene türkische Frauenärztin. Mindestens ein Drittel meiner Patientinnen sind türkischer Herkunft. Darum ist Türkisch in meiner Praxis sehr wichtig. Von neuen Auszubildenden erwarte ich, dass sie gut türkisch und deutsch sprechen. Genauso setze ich voraus, dass sie fleißig sind und sich bemühen, den Beruf zu erlernen.
planet-beruf.de: Welche Tipps haben Sie für Eltern, deren Jugendliche ins Berufsleben starten?
Neslişah Terzioğlu: Information ist alles! Eltern sollten dafür sorgen, dass sich ihre Kinder umfassend über Berufe erkundigen, Praktika machen und sich nicht nur auf einen Berufswunsch fixieren. Sie können gemeinsam die Berufsberatung der Agentur für Arbeit aufsuchen oder sich in ihrem privaten Umfeld nach Ausbildungsstellen erkundigen.
Kurzbiographie
Dr. Neslişah Terzioğlu stammt aus Ankara in der Türkei. Sie ging zwei Jahre lang in Deutschland zur Grundschule und besuchte später das deutsche Gymnasium in Istanbul. Nach dem Abitur kehrte sie zurück nach Deutschland, um hier Medizin zu studieren.
Elf Jahre lang war sie Oberärztin in der Geburtshilfe am Klinikum Nürnberg. Inzwischen ist sie als Frauenärztin in einer Gemeinschaftspraxis selbstständig tätig. Nebenbei engagiert sie sich im Deutsch-Türkischen Unternehmerverein in Mittelfranken e.V. (TIAD) als stellvertretende Vorsitzende und als Vorstandsmitglied im deutsch-türkischen Medizinerverein.














