Interview: Berufe rund um Motorrad und Auto im Wandel

Kfz-Ausbildungen gut gerüstet für digitale Mobilität

Elektromobilität, autonomes Fahren, Assistenzsysteme: Wie wird in den Kfz-Ausbildungen auf neue Herausforderungen eingegangen? planet-beruf.de hat mit Klaus Epple, Leiter des Berufsbildungszentrums der Kfz-Innung München-Oberbayern, gesprochen.

Ein junger Mann arbeitet an der Bremsanlage eines Autos.
Mechanisches Verständnis bleibt gefragt, aber digitale Welten, Vernetzung und Elektronik sind die "Schmierstellen" der Zukunft in der Kfz-Branche.

planet-beruf.de: Herr Epple, wie begegnet der Kraftfahrzeugsektor in seinen Ausbildungen den Herausforderungen der Zukunft?

Klaus Epple: Das Berufsbild Kraftfahrzeugmechatroniker/in wurde zuletzt 2013 modernisiert und ist damit sehr gut aufgestellt. Seitdem ist Arbeiten mit elektronischen Komponenten an vernetzten Systemen verstärkt Teil des Lernstoffs. Die Ausbildung kann aktuell in fünf Schwerpunkten absolviert werden: Karosserietechnik, Motorradtechnik, Nutzfahrzeugtechnik, Personenkraftwagentechnik und System- und Hochvolttechnik. Vor allem in der System- und Hochvolttechnik wird für den Umgang mit Hybrid- und Elektrofahrzeugen ausgebildet.

planet-beruf.de: Wie ist die Ausbildungssituation aktuell?

Klaus Epple: Nach wie vor werden Bewerber/innen für das Berufsbild Kfz-Mechatroniker/in gesucht. Es ist grundsätzlich wünschenswert, genügend qualifizierte Schulabgänger/innen zu finden, die einem Fachkräftemangel im Kraftfahrzeuggewerbe vorbeugen. Die Betriebe bilden hier vor allem für den eigenen Bedarf aus.

Porträt Klaus Epple, Leiter des Berufsbildungszentrums der Kfz-Innung München-Oberbayern
Kfz-Innung München-Oberbayern
Klaus Epple, Leiter des Berufsbildungszentrums der Kfz-Innung München-Oberbayern, über die Zukunft der Ausbildungen in der Kraftfahrzeugtechnik

planet-beruf.de: Haben sich die Anforderungen an Bewerber/innen in den letzten Jahren verändert?

Klaus Epple: Ausreichendes Verständnis für den mechanischen Teil der Fahrzeuge, sprich Motor, Getriebe, Lenkung, Fahrwerk sind natürlich weiter gefragt. Allerdings tritt der Umgang mit Diagnosegeräten an den miteinander vernetzten Fahrzeugsystemen immer mehr in den Vordergrund. Es ist wichtig, dass sich Jugendliche über die gestiegenen Anforderungen im elektronischen Bereich bewusst sind; auch darüber, dass im Berufsleben laufend Weiterentwicklungen und Fortbildungen nötig sein werden.

planet-beruf.de: Wie kann man sich nach der Ausbildung weiterentwickeln?

Klaus Epple: Die Weiterbildungsmöglichkeiten, allen voran der Kraftfahrzeugtechnikermeister, sind seit vielen Jahren etabliert. Stark nachgefragt ist eine Qualifikation als Kraftfahrzeug-Servicetechniker/in. Sie ist bereits das erste Standbein auf dem Weg zur Meisterprüfung. Inhalte wie z.B. die fachpraktische Prüfung werden angerechnet und entfallen dann in der Meisterausbildung. Bei den verschiedenen Händlerstandards achten die Automobilhersteller zudem darauf, dass sich die Mitarbeiter/innen der Autohäuser weiterqualifizieren bzw. speziell für ihre Fahrzeuge geschult sind.

planet-beruf.de: Wird es weitere Schwerpunkte geben?

Klaus Epple: Der jüngste Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik zielt schon auf den Bereich Elektromobilität und Hochvoltsysteme ab, zudem ist mit der Systemtechnik die stark wachsende digitale Infrastruktur der Kraftfahrzeuge abgebildet. Möglich wäre hier natürlich zukünftig eine Ausweitung dieser Inhalte, aber das ist Spekulation.

planet-beruf.de: Wie sieht es mit den Schwerpunkten Nutzfahrzeugtechnik und Motorradtechnik aus?

Klaus Epple: Der Ausbildungsschwerpunkt Nutzfahrzeugtechnik ist noch zu wenig im Fokus der Jugendlichen, obwohl gerade hier viel spannende und innovative Technik verbaut ist. Dabei ist auch in diesem Bereich erheblicher Bedarf an Fachkräften vorhanden und auch zukünftig zu erwarten. Es kann sich also lohnen, sich mit dieser Option zu beschäftigen. Bei der Motorradtechnik gilt es eine starke saisonale Abhängigkeit in der Auftragslage zu berücksichtigen. Betriebe, die nicht nur auf Zweiradtechnik spezialisiert sind, sondern Synergien z.B. durch eine Pkw-Werkstatt schaffen können, sind hier in der Ausbildung im Vorteil. Sie können Auszubildende flexibel einsetzen, zumal grundlegende Ausbildungsinhalte unabhängig vom Schwerpunkt gleich sind.

planet-beruf.de: Sehen Sie einen geringeren Bedarf an Fachkräften für kommende Jahrzehnte, z.B. durch eine steigende Zahl an Elektrofahrzeugen mit weniger Wartungskomponenten?

Klaus Epple: Seriöse Schätzungen sind für solche Zeiträume schwierig. Dennoch muss technikinteressierten Auszubildenden vor diesen Veränderungen nicht bange sein. Die Automobilbranche ist veränderungserprobt und lebt traditionsgemäß mit großen Umwälzungen. Beispielsweise waren die Wartungsintervalle in den 70er-Jahren durch Abschmieren, Vergasertechnik oder stärkeren Verschleiß sehr viel kürzer getaktet als heute. Auch diese Veränderung hat der Branche nicht geschadet, sondern nur die Anforderungen und Aufgabengebiete verschoben. Der Anspruch an die Kompetenz der Fachkräfte z.B. in der Diagnoseleistung und Fehlererkennung wird aber sicher steigen, dessen muss man sich bewusst sein. Digitale Welten, Vernetzung und Elektronik sind die "Schmierstellen" der Zukunft in der Kfz-Branche - dafür sollte man sich begeistern können!

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Stand: 18.10.2017