Experteninterview: Junge Menschen in der Textil- und Bekleidungsbranche

"Begeisterungsfähigkeit macht Jugendliche zu guten Azubis"

Die Textil- und Bekleidungsbranche hält unterschiedliche Ausbildungsmöglichkeiten parat. Dr. Maria Rost vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie erläutert, unter welchen Voraussetzungen die Branche für Ihr Kind interessant ist.

Eine junge Auszubildende legt zugeschnittene Stoffmuster zusammen.
Textilien und textile Verbundmaterialien sind allgegenwärtig. Nachwuchskräfte sind in jedem Bereich sehr gefragt.

planet-beruf.de: Frau Dr. Rost, Sie sind Leiterin für die Themenbereiche CSR und Bildung beim Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie - also unter anderem für die Themen "Aus-, Fort- und Weiterbildung" zuständig. Welche Ausbildungsberufe gibt es in der Textil- und Bekleidungsbranche?

Dr. Maria Rost: Die klassischen Ausbildungsberufe in der Gestaltung sind Produktgestalter/in, Textil- und Modenäher/in und -schneider/in. Weniger bekannt sind Ausbildungen in der Produktion, zum Beispiel Produktionsmechaniker/in, Produktveredler/in, Produktprüfer/in, Technische/r Konfektionär/in. Und nicht zu vergessen die Fachkräfte im Textillabor und natürlich die Maschinen- und Anlagenführer/innen für Textiltechnik.

planet-beruf.de: Welche Voraussetzungen sollte man für einen Beruf in der Branche mitbringen?

Dr. Maria Rost: Es ist vor allem die Begeisterungsfähigkeit, die Jugendliche zu guten Auszubildenden macht. Vielen ist gar nicht bewusst, dass ein Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife für den Einstieg ausreichen. Außerdem haben die Jugendlichen nach ihrem Ausbildungsabschluss meist gute Übernahmemöglichkeiten.

Dr. Maria Rost am Arbeitsplatz
Privat
Dr. Maria Rost kennt sich gut mit den Herausforderungen junger Menschen bei der Berufswahl aus.

planet-beruf.de: Ist es wichtig, einen guten Schulabschluss zu haben?

Dr. Maria Rost: Gute Noten sind nicht alles. Wir brauchen vor allem Praktiker/innen. Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben junge Menschen, die sich fundiertes Fachwissen aneignen wollen und diejenigen, die Interesse an innovativen Produkten und Verfahren rund um das Thema Textil haben.

planet-beruf.de:  Wie sollte man sich auf einen Ausbildungsplatz im Bereich Textil und Bekleidung vorbereiten?

Dr. Maria Rost: Ich empfehle jungen Menschen immer, Ausbildungsmessen zu besuchen und dort auf die Unternehmen und ihre Azubis zuzugehen. Außerdem lohnt es sich zu schauen, welche Unternehmen sich in der eigenen Region befinden und direkt nach Ausbildungsmöglichkeiten zu fragen. Außerdem bieten viele auch Schülerpraktika an, um mal in eine Branche hineinschnuppern zu können.

planet-beruf.de:  Wie stehen denn die Chancen auf einen Ausbildungsplatz in der Branche?

Dr. Maria Rost: Die Chancen für einen Ausbildungsplatz in der Textil- und Bekleidungsindustrie sind sehr gut. Unsere Unternehmen bilden rund 2.300 junge Menschen in allen Regionen in Deutschland aus - auch in strukturschwachen, in denen es kaum andere Industrie gibt.

Ein junges Mädchen sortiert Kleidung in einem Laden.
Die Ausbildung in der Textil- und Bekleidungsbranche kann an vielen unterschiedlichen Arbeitsorten stattfinden.

planet-beruf.de: Wo finden Eltern und Jugendliche Informationen?

Dr. Maria Rost: Eltern können sich im Internet auf unserer Seite "Go Textile!" über die Vielfalt unserer Branche informieren. Textilien und textile Verbundmaterialien sind allgegenwärtig. Unsere Nachwuchskräfte sind in der Textil- und Bekleidungsbranche in jedem Bereich sehr gefragt.

planet-beruf.de: Wie stark bestimmt das Thema Nachhaltigkeit die Ausbildungsberufe in der Textil- und Modeindustrie?

Dr. Maria Rost: Nachhaltigkeit gehört zur DNA unserer mittelständischen Unternehmen. Sie produzieren zu Umwelt- und Sozialstandards, die zu den besten weltweit zählen. Entsprechend ist das Thema Nachhaltigkeit auch in den Ausbildungsverordnungen festgeschrieben: Unsere Azubis werden sensibilisiert und angehalten, bei Arbeitsprozessen und bei der Verwendung von Materialien die Auswirkungen auf Mensch, Natur und den betrieblichen Erfolg im Sinne einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung zu berücksichtigen.

planet-beruf.de:  Welche Aufstiegs- bzw. Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es nach einer Ausbildung?

Dr. Maria Rost: Auszubildende können immer aufsatteln: von der zweijährigen zur dreijährigen Ausbildung, z.B. von der Maschinen- und Anlagenführerin zur Produktionsmechanikerin. Vor allem Fachhochschulen und Hochschulen bieten Auszubildenden vielfältige Studienmöglichkeiten. Es ergeben sich auf allen Karrierewegen hervorragende Chancen für eine spätere Weiterqualifikation und einen Aufstieg in höhere Positionen.

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Stand: 27.12.2018
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