Zivilcourage im öffentlichen Raum

Für ein respektvolles Miteinander

Sven Schramke ist Trainer beim diba-Institut für Gewaltprävention in Rendsburg und seit 2008 Leiter des Projekts "Stark in Schule und Alltag". Im Interview spricht er über Probleme und Möglichkeiten bei der Gestaltung eines gewaltfreien Umfelds.

Eine Frau begleitet eine sehbehinderte Frau aus der U-Bahn.
Schon in den kleinen Dingen kann sich ein wertschätzendes Miteinander im Alltag manifestieren.

planet-beruf.de: Das Thema Zivilcourage im öffentlichen Raum ist derzeit sehr aktuell. So werden z.B. viele Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel Zeuge von Pöbeleien und Gewalt. Wie erleben Sie diese Entwicklung?

Sven Schramke: Wir arbeiten vorrangig in den Bereichen Schule und Jobcenter. Hier teilen viele Menschen das Gefühl, dass schwierige Situationen im Alltag zunehmen. Von der Statistik wird das jedoch wenig gestützt. Meiner Erfahrung nach werden viele Gewaltvorfälle gar nicht gemeldet, u.a. aus falschem Schamgefühl. Doch nur mit einer aussagekräftigen Statistik könnte man z.B. Lehrkräften mehr Unterstützung zukommen lassen.

planet-beruf.de: Immer häufiger sind auch Jugendliche an Gewaltsituationen beteiligt. Wie kann die Schule dem entgegenwirken?

Sven Schramke: Einige Schulen engagieren sich für ein respektvolles, wertschätzendes Miteinander im Schulalltag. Das kann Gewaltsituationen minimieren. Die meisten Lehrkräfte, denen wir in unseren Seminaren begegnen, wurden in ihrer Ausbildung auf konkrete, schwierige Situationen wenig bis gar nicht vorbereitet. Die Schulleitung sollte den Lehrkräften helfen, diese Defizite auszugleichen.

Porträt von Sven Schramke.
Privat
Sven Schramke beschäftigt sich mit dem Thema Gewaltprävention, z.B. an Schulen.

planet-beruf.de: Welche Ihrer Veranstaltungen sind an Schulen besonders gefragt?

Sven Schramke: An Schulen halten wir v.a. Seminare für Lehrkräfte zum Konflikt- und Krisenmanagement. Die Lehrer/innen brauchen die Stärkung, um besser mit ihren Schüler/innen zurechtzukommen, und können zudem als Vorbild fungieren.
Ein spezielles Seminar für Schüler und Schülerinnen ist die AIT-Ausbildung (AIT = Aufsichts-Interventions-Team). Charakterlich geeignete Jugendliche werden von uns ausgebildet, Aufsichtssituationen zu begleiten, z.B. während der Pausenzeiten. Die AITs lernen u.a., was zu tun ist, um eine Menschenansammlung aufzulösen. So können sie die Lehrer/innen in schwierigen Situationen kompetent unterstützen.

planet-beruf.de: Können Jugendliche bereits während ihrer Schulzeit prüfen, ob sie für einen Beruf im Bereich Schutz und Sicherheit geeignet sind?

Sven Schramke: Wer sich während der Schulzeit sozial engagiert, egal ob in der Schülervertretung, als Klassensprecherin oder bei den Streitschlichtern, kann viele Kompetenzen schulen, die auch im Bereich Schutz und Sicherheit wichtig sind, wie Empathiefähigkeit oder Verantwortungsbewusstsein.
Um herauszufinden, ob ein Beruf in dieser Branche etwas für einen ist, sollte man aber unbedingt ein Praktikum machen.

planet-beruf.de: Wie können Lehrkräfte das Thema „Gewalt im öffentlichen Raum“ im Unterricht aufnehmen bzw. darstellen?

Sven Schramke: Wir arbeiten häufig mit Schulen, die sich im Rahmen von Projekttagen oder -wochen mit dem Thema auseinandersetzen. Auch Unterrichtseinheiten in bestimmten Fächern sind denkbar.
Hier könnte man konkrete Situationen nachstellen und typische Fehler bei der Einmischung in Konflikte aufzeigen. Entscheidend dabei ist, Dinge nicht nur zu besprechen, sondern erspürbar und erfahrbar zu machen. Die verantwortlichen Lehrkräfte sollten sich im Vorfeld genau informieren und ggf. Unterstützung von Experten suchen.

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Stand: 07.05.2014